WDR-Beitrag Sand-Media

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Publikationen – Übersicht

1997 Erlebnisprojekt Landart, Carl Richard Montag Stiftung, Bonn

2000 „One World“, EXPO 2000, Ausstellung zur Deutsche Entwicklungsarbeit

2002 Reisen in Zeiten von Cyberspace, Städtische Galerie Böblingen

2002 Verzauberung durch Irritation, Kunstverein Ahlen

2003 Das Recht des Bildes, Museum Bochum

2004 Oberflächen der Verletzbarkeit, Villa Aurora , Bauhaus, Kunsthalle Bochum, Saarbrücken

2006 Art & Graphic Magazine, Heft 16

2009 Opus C, ad-Media GmbH

2010 Inside Out, FH- Köln

2010 Lippische Landeszeitung


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Lippische Landeszeitung, 9.2010

Link zum Artikel in der Lippischen Landeszeitung:
LLZ 2010 Sept 25

Ausstellung der Portalsäulen der Detmolder Synagoge im Lippischen Landesmuseum

Bilder eines KeinOrtes

Die vier Portalsäulen sind die letzten erhaltenen Teile der Detmolder Synagoge in der Lortzingstraße, die in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 durch antisemitische Übergriffe zerstört wurde. Ihre Anordnung entspricht der urspünglichen Formation. Eine Betonscheibe in der Breite des Portals der Synagoge, Stahlbleche im Fußboden und an den Seiten deuten den einstmaligen baulichen Kontext in abstrakter Form an.
Wenn man über ein Testament redet,  denkt man an ein fertiges Dokument. Da haben Menschen ihre Hinterlassenschaft geordnet und sich auf den Weg gemacht, sich friedlich wieder in den Seelenocean zu begeben. Das Narrative, das von dieser Wand im Lippischen Landesmuseum auf den Besucher herabschaut, erzählt eine andere Geschichte. Die Wand ist ein Un-Ort, eine Stätte ohne die Möglichkeit der abschließenden Ordnung der Hinterlassenschaft, und somit ein Unruhe-Ort einer nicht ermöglichten Aufarbeitung der Vergänglichkeit. 
So trägt die Wand das Testament einer jüdischen Gemeinde und wirkt zeitgleich als Mahnmal. Nicht das künstlerische Konzept ordnet die Fakten, sondern die Geschichte selbst. Eine Sammlung von Portraits aus unterschiedlichen Gemeinden des Landes Lippe ruht auf einer mineralischen Oberfläche. Sandbilder, die aus drei unterschiedlichen Materialien bestehen: Quarzsand ist der Träger der Bilder, Ruß der Zeuge und Tonmehl weiß wie die Unschuld. Direkt in den Verbund dieser Mineralien sind die Portraits eingebettet, Gesichter jüdischer Menschen, die einmal Bürger des Landes Lippe waren bis eine Welle von Hass sie zu Opfern gemacht hat. Im Vordergrund steht die Verletzbarkeit aller Menschen, die buchstäblich  unter die Haut geht. In der Entstehung dieses Kunstwerkes haben wir, die Künstler und Designer dieser Denkmalsanlage, lediglich die Aufgabe, einen würdevollen Ort des Geschehens zu schaffen. Der Sand alleine bestimmt den Grad der De-Konstruktion der Portraits, die Bilder entstehen wie von selbst. Sie vermitteln dem Besucher ihre eigene Geschichte, die den perfekten Bildern der Informationsgesellschaft diametral gegenübersteht. Ira Marom, new media concept artist



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Inside out, 3.2010

Digital Fresco in Beton
Drucken direkt auf Beton? Das gibt es exklusiv an der Fachhochschule Köln. Hier arbeiten Wissenschaftler gemeinsam mit dem Künstler Ira Marom an einer urbanen Neugestaltung. Neben Graffitis könnten in naher Zukunft Lärmschutzfassaden und Häuserwände in großformatigen, farbigen Bilderdrucken erstrahlen. Das Rezept: die perfekte Betonmischung und der größte Laserdrucker der Welt.

»Unsere Vision ist, Betonflächen vertikal und horizontal zu bedrucken«

Der Druckprozess ist absolut »Top Secret«. Als zuletzt ein Filmteam über das Projekt berichtete, bekam es für den eigentlichen Entstehungsprozess keine Drehgenehmigung. »Wir fürchten nämlich Nachahmer«, erklärt Prof. Rudolf Hoscheid die Geheimhaltung. Denn die Technik ist weltweit einmalig: Bilder direkt auf Betonplatten zu drucken. Den Städten ein neues, farbigeres Gesicht geben, ist die Idee des Künstlers Ira Marom. Statt in monotonem Graubraun will er die Lärmschutzwände an den Autobahnen mit Kölner Stadtansichten schmücken. Das weltweit einzige Patent für den Druck auf Mineralien besitzt er bereits. Ob Putz, Lehm, Zement oder Gips – in seinen Projekten druckt Marom sogar Bilder auf Sand und scant sie ein, bevor er die körnige Vorlage wieder zu Staub zerfallen lässt. Die Scans können zum Beispiel 50 unterschiedlichen Bearbeitungsstufen eines Portraits sein, die dann als Frames zu einem Clip zusammengesetzt werden. Marom möchte die Verletzbarkeit und Vergänglichkeit aller Dinge unterstreichen und das »Loslassen als Prinzip entwickeln«. Damit setzt er einen Kontrapunkt zu den perfekt retuschierten Hochglanzbildern, die unsere Informationsgesellschaft prägen.


Farbbrillianz auf 4 mm-Gröstkorn.

Äußerst widerstandsfähig und robust sind dagegen seine Betonbilder. Um seine Kunstwerke vom Atelier auf eine automatisierte Produktionsebene übertragen zu können, hat er in den Wissenschaftlern an der Fachhochschule Köln engagierte Partner gefunden: Prof. Dr.-Ing. Rudolf Hoscheid von der Fakultät für Bauingenieurwesen und Umwelttechnik sowie Prof. Dr. rer. nat. Manfred Schrey von der Fakultät für Informations-, Medien- und Elektrotechnik. Ersterer kümmert sich um den Bereich der Beton-Technologie, denn das Druckmaterial muss speziellen Ansprüchen genügen, um die für digitale Bilder relevante Farbtiefe und Schärfe wiederzugeben. Hoscheid und seine Mitarbeiter haben jetzt die optimale Betonmischung gefunden, die einen Druck im Format DIN A3 ermöglicht. »Streng genommen bewegen wir uns im Bereich des Mörtels«, so Hoscheid. »Normaler Beton besteht aus einem Gröstkorn von 32 mm. Unser Beton hat dagegen nur ein Gröstkorn von 4 mm. Da wir im nächsten Schritt aber im A2-Format drucken wollen, müssen wir an einer neuen Rezeptur arbeiten.« Außerdem funktionieren industrielle Fertigungen immer unter anderen Bedingungen als im Labor. Die Labormischung hat beispielsweise andere Härtezeiten als eine industrielle Fertigung des Betons, sind doch die einzelnen Arbeitsschritte in einer Fabrik räumlich viel weiter entfernt als im Labor. Da können drei Minuten längere Wegstrecke den Qualitätsunterschied machen. Qualitätsprüfung ist auch eine der Aufgaben von Prof. Schrey. In seinem Labor kann er beispielsweise UV- und Sonneneinstrahlung simulieren und die Auswirkung auf die bedruckte Betonoberfläche prüfen. Außerdem ist Schrey zuständig für die Repro-Technologie. Häppchenweise will sich das interdisziplinäre Team vortasten von A2 bis auf A0. Um den speziellen Anforderungen bei einem Spektrum von 1,6 Millionen Farben zu genügen, muss ein passender Drucker gefunden und am Institut für Medien- und Phototechnik umgerüstet werden. Schrey formuliert dabei ambitionierte Ziele: »Wir müssen den größten Drucker der Welt bauen.«

In drei bis fünf Jahren serienreif

Diese aufwendigen Umbaumaßnahmen und Testverfahren verursachen hohe Kosten, die das Team aus der eigenen Tasche bezahlt. »Bisher bin ich auf so hilfsbereite Menschen wie Rudolf Hoscheid, Manfred Schrey und ihre tollen Mitarbeiter angewiesen, die das alles noch nebenher machen. Dabei schreit das Projekt danach, finanziell gefördert zu werden«, findet nicht nur Ira Marom. Auch die Professoren sehen hier erhebliches Forschungspotenzial. Deshalb werden jetzt auch Fördergelder beantragt. Hoscheid kalkuliert, dass »wir alleine für zwei Mitarbeiter, angesiedelt jeweils bei mir und bei Prof. Schrey, rund 100 000 Euro jährlich brauchen.« Und Marom ergänzt: »Unsere Vision ist, vertikale und horizontale Flächen zu bedrucken und auch bestehenden Betonfassaden zu bedrucken: Von Betonmöbel, Gehwegplatten und Häuserfassaden bis hin zu Brücken und Lärmschutzwänden an Autobahnen.« Einige Firmen haben schon ihr Interesse signalisiert, aber bis sich so großformatige Flächen realisieren lassen, wird es schätzungsweise noch drei bis fünf Jahre dauern. In der Zwischenzeit laufen die ersten Auftragsarbeiten für den Indoorbereich: Einige Firmen haben in dem »Digital Fresco« für die Portraitaufnahmen ihrer Führungskräfte schon eine neue, monumentale Ausdrucksform entdeckt. Monika Probst

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opusC, 1.2010

Spuren im Zement

Digital Fresco – ein farbiger permanenter Betondruck. Nach Teppichböden, Parkett, Glas und anderen Materialien hat die digitale Drucktechnik mit Beton jetzt eine weitere Oberfläche im Baubereich erobert. Dabei macht sich die moderne Technologie im Zusammenspiel mit der Frescotechnik zugleich ein sehr altes Verfahren zur Gestaltung zementgebundener Oberflächen zunutze.


©OpusC

Das von dem Kölner Medienkonzeptkünstler Ira Marom entwickelte Digital Fresco-System ermöglicht es, Fotos und Grafiken fugenlos in jeder Größe in zirka 1,6 Mio. Farben und einer Farbdichte von 64 Bit auf Beton und andere mineralische Baustoffe haltbar zu drucken und ist gleichermaßen auf Außen- wie Innenflächen einsetzbar. Ein speziell entwickelter Drucker druckt das gewünschte Bild auf einen Trägerstoff. Diese bedruckte Vorlage wird dann auf den feuchten Beton gelegt und angewalzt. Das Foto wird auf die feuchte Oberfläche übertragen und geht so eine Verbindung im Nanobereich mit dem Beton ein. Durch die Kristallisierung zwischen dem Oxyd-Pigment und dem Mineral entsteht eine Wetter- und UV-resistente Bildoberfläche. Für den Betrachter fusionieren Bild und Trägermaterial zu einer eigenständigen, authentischen Ästhetik, die die transparent schimmernde Wirkung eines Renaissancefrescos aufweist – ein moderner Retrodruck. Anlässlich der Kölner Möbelmesse und der Kölner Design Week stellte Ira Marom und seine Sand-Media Community im vergangenen Jahr erstmals dieses Verfahren der Öffentlichkeit vor. Ira Marom, geboren in Israel, Großneffe des Komponisten Kurt Weill, ist Medienkonzeptkünstler. Er studierte Kunst in Tel-Aviv und an der Claremont University in Kalifornien und lebt seit 20 Jahren in Köln. Er ist Initiator des Kölner Modernen Museums Der Vergänglichen Kunst und verschiedener Kunst-Medienprojekte an der Uni Köln, beim Festival des Arts Brüssel, in der Villa Aurora in Los Angeles, beim Bauhausmuseum in Dessau, in der Kunsthalle Bochum und vielen weiteren. Seine Kunstobjekte bilden eine Brücke zwischen archaischer, vergänglicher, meditativer Kunst und modernen Bildern der heutigen Informationsgesellschaft. Das Digital Fresco-Verfahren eignet sich zur großflächigen individuellen und repräsentativen Gestaltung für Wände, Platten, Möbel oder Kunstwerke. Gerade im Außenbereich lassen sich mit diesem Verfahren Fassadenelemente, Betonfertigteile, Blockstufen, Betonplatten und Pflastersteine individuell gestalten. Weitere Anwendungsbereiche und deren Verfahren für die Industrie befinden sich in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Köln in Vorbereitung.


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Art&Graphic Magazine 7/2006

ATELIERGESPRÄCH

Ich mache Pixel wieder zum Sandkorn

Ira Marom: Meine Kreativität wird geprägt durch meine Biografie. Kunst ist für mich eine Sprache. Wenn man nichts zu sagen hat, macht man keine Kunst.

Wo sind Ihre Wurzeln? Ira Marom: Ich bin in Nordisrael in der Küstenstadt Naharia geboren. Meine Großeltern flüchteten 1936 aus Deutschland und bauten dort am Strand fundamentlose Monumente, ‘buchstäblich auf Sand gebaute Häuser im Bauhausstil’, die ihre gespaltene Identität manifestierten. Bis ich achtzehn Jahre alt wurde, haben wir in unserer Familie mit der Großelterngeneration überwiegend deutsch gesprochen. Den ‘Diskurs’ mit dem sandigen Meersaum habe ich erst geführt, bevor ich dann mit achtzehn die kleine verträumte architektonisch konstruierte Welt meines Geburtsortes verlassen habe. Die andere Verwandtschaft, die von NaziDeutschland nach Amerika und England geflohen war, hat übrigens ebenfalls in Küstenregionen Häuser gebaut: Auch sie auf Sand und ohne Fundamente. Ginge man von einer Psychologie eines Hauses aus, das auf verletzbaren Sand gebaut ist, so könnte man darin ein Statement über meine eigene Identität ablesen. Die sandigen Dünen am Meer bilden den Urgrund für solche Fragen, auf die es keine leichten Antworten gibt.

Wie sind Sie zur Kunst gekommen? Ira Marom: Als Sechzehnjähriger bin ich nach England gegangen und war dort in einer an Summerhill angelehnten Schule. Es war dort durchaus in Ordnung, nichts zu tun. Das gefiel mir nicht, daher habe ich mit Hilfe einer Kunstlehrerin große Wände der Schule bemalt. Danach war ich erst an der Kunstakademie in Tel Aviv, danach zwei Jahre lang in Los Angeles an der Clarmont Graduate School. Zu der Zeit habe ich im Stil der Postmoderne gemalt, eine Sammlung von politischen und soziologischen Statements narrativ dargestellt.

Nach dem Studium in Amerika sind Sie dann nach Deutschland gekommen ? Ira Marom: Ich fühlte mich eigentlich immer mit Europa verbunden. Als ich 1985 nach Köln kam, bin ich aus der Betrachterposition in diese Stadt eingestiegen. Hier in meinem Wohnatelier entstand 1991 das ‘Moderne Museum der Vergänglichen Kunst’, ein Kunst- und Soziologieprojekt zur Gestaltung eines gesellschaftlichen Diskurses über die Einsetzung von Manipulationsmechanismen im Zeitalter der Informationsgesellschaft. Präsentiert wurde gewissermaßen das Ergebnis einer an dieser Stelle erfolgten ‘Ausgrabung’ bzw. Entdeckung. Das Projekt, das reine Fiktion war, lief drei Jahre lang. Es ging um Vertuschung der Grenzen zwischen Fiktion und Realität, genau genommen, um zweidimensionale Fiktion bis hin zur Überrealität – ein Spiegel, denn unsere Gesellschaft lebt von Konstruktionen.


Wann entwickelten Sie die Idee zu Ihren Sand-Media Bildern? Ira Marom: Das ist unsere berühmte Informationsgesellschaft, die mich dahin geführt hat. Irgendwelche Pigmentpartikel auf Papier gedruckt bestimmen unser Schicksal, unser Weltbild. Ich hatte mir vorher nie Gedanken darüber gemacht, dass beim Druckvorgang ein Bild auf dem Papier haftet. Mir war nie klar, wie fragil und vergänglich diese Oberfläche ist. Das zu zeigen, war der Auslöser dafür, Bilder auf Sand zu drucken. Ich wusste sofort, dass ich etwas gefunden hatte, das mich eine Zeit lang beschäftigen würde. Diese Reflexion öffnete mir Türen zur interdisziplinären Arbeit bis hin zur DeKonstruktion von Bildern auch im Bereich Video und Soundinstallation. ‘Hörbare Chronik im Verfall’, mit Sound bespielte Membranen versteckt unter der Sandoberfläche, bringen das auf Sand gedruckte Bild ins Schwanken. Das Drucken auf Sand ist ein kreativer Prozess, welcher unter anderem den Besucher mit der paradoxen Haltung der Mediengeneration zur Vergänglichkeit konfrontiert. Im Alltag werden Bild und Textdateien mit Hilfe einer virtuellen, sehr vergänglichen und labilen Plattform verewigt.

Östliche Kulturen bieten hingegen Raum, Eindrücke im Geist und im Herzen mitzunehmen und auf Materielles zu verzichten. Der Kreislauf schließt sich für mich, wenn ein Bild als Produkt unserer Sehnsüchte auf der Sandoberfläche erscheint, bevor es durch das Löschen losgelassen wird. Nach jeder Installation werden meine Sandbilder wieder zu einem Sandhaufen zusammengekehrt.

Was hat Sie veranlasst, im edukativen Rahmen zu arbeiten? Ira Marom: Darauf kam ich später, durch meinen Kontakt zur Uni, in dem ich mir die Fragen stellte: Inwiefern ist es stimmig, die Kunst als Kultur und Identitätsträger bzw. als Reflexionswerkzeug zu benutzen? Wo ist hier die Gratwanderung? In Workshops arbeiten wir zum Beispiel mit ‘SandÜbungen’, indem wir Sand auf ein Blatt Papier streuen und mit dem Bleistift das nachmalen, was wir im Sand gesehen haben. Die Eigenschaft des Sandes ist, dass es das Gemalte verschleiert, d.h. wir verlieren ganz schnell die Kontrolle über die von uns konstruierten Bilder. Gewissermaßen im Vertrauen auf die Formkraft des Sandes haben wir die Möglichkeit, unsere eigenen, inneren Bilder zu finden. Im Workshop nehmen wir danach die ‘verschleierten’ Bilder als Ausgangspunkt für den nächsten Schritt.

Wie entstehen die ‘Sand-Bilder’? Ira Marom: Mit einem Laserdrucker, bei dem die Fixiereinheit ausgeschaltet ist, um ein Bild unfixiert zu Papier zu bringen. In einer Reihe weiterer Schritte wird dieses Bild vom Blatt auf ein SandTonmehlMineralgemisch übertragen.

Inwiefern beziehen Sie sich mit Ihren Installationen auf das Schicksal Ihrer Familie, die 1936 aus Deutschland geflohen ist? Ira Marom: Meine Arbeit ist eine Hommage an den Familienclan Weill (Kurt Weil war mein Großonkel) und befasst sich mit biografischen Spuren und der Suche nach einem neuen, sicheren Hafen. Aus diesem biografischen Hintergrund entwickelte sich in den letzten Jahren eine Plattform, in der die fragile, globale, menschliche Neigung, Spuren zu hinterlassen, artikuliert wird. Wie das Ankommen der Wellen, die an einem verlassenen Strand den Sand immer wieder nässen und zermalmen, so fluten ständig Bilder in die Seele eines Menschen, die sein Leben und gleichzeitig seine Vergänglichkeit festlegen. Die lkonografie der Informationsgesellschaft mit ihrer ‘HighendTechnologie’ fusioniert mit den Testamenten archaischer Kulturen von Schamanen oder Künstlern, die ihre Mandalabilder, ihre Songlines oder ihre Mythen in Sand einschreiben. Das fotografische Pixel ist hier das Sandkorn. Durch den Mausklick sind die Bilder der Informationsgesellschaft genauso vergänglich und verletzlich, wie die verwischten archaischen SandBilder. Was vergänglich ist, ist besonders wertvoll.

Informationsgesellschaft, was bedeutet das für Sie als Künstler? Ira Marom: Für viele Künstler ist die lnformationsgesellschaft ein rotes Tuch. Viele wollen damit nichts zu tun haben und ignorieren dadurch diesen ‘Pool’ von Bildern, der jedoch in all seinen Dimensionen faszinierend ist. Es gibt ganz klar ausgeprägte Tatsachen, mit der uns die lnformationsgesellschaft konfrontiert und mit denen wir uns auch als Künstler auseinanderzusetzen haben. Für mich als Konzeptkünstler ist die Welt von ‘Windows’ eine große Herausforderung, denn jedes ‘Window’ besteht aus Hunderten von kleinen ‘Windows’, wodurch eine völlig andere Reflexionsgrundlage für einen Künstler entsteht. Die virtuelle Ebene des Monitors ist einwegig: Die Informationen strahlen vom Bildschirm nach außen. Interaktiv ist diese Plattform nur so weit, wie es der Programmierer zulässt. Etwa wie vor einem Glashochhaus zu stehen, in dem man wegen der Spieglung nicht nach innen schauen kann.

Was ist Ihr Thema genau? Ira Marom: Es geht darum, dass Menschen und sicherlich Künstler im Besonderen, Spuren hinterlassen wollen. Das Internet ist daher für mich eine der wichtigsten Inspirationsquellen. Dort kann jeder seinen Existenzbeitrag so definieren, wie er es wünscht. Doch muss, genau wie im Bereich der Kunst, entschieden werden, was auf dem Bildschirm sichtbar werden soll. Alles andere muss mit Mausklick gelöscht werden.

Seit sechs Jahren beschäftigen Sie sich mit den Sand-Bildern, eine relativ lange Zeit im Vergleich zu Ihren bisherigen Projekten. Ira Marom: Die SandMedia Plattform gibt mir die Möglichkeiten, verschiedene Wege zu gehen. Mir ist z.B. wichtig, die Reise zwischen der virtuellen Welt und der haptischen Welt durch verschiedene visuelle Erfahrungen zu vermitteln. Dementsprechend entwickle ich immer wieder neue Projekte, wie beispielsweise mein SandMediaVideo ‘FramebyFrameAnimations’.

Das Gespräch führten Martina und Siegfried Hochstein




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2004

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